PC Mythen erklärt

PC-Mythen: Irrwege, die selten ins Glück führen

Ein günstiger PC kostet heute weniger als 200 Euro, neu und für vielerlei Zwecke geeignet. Nach oben sind der Kauflust dann kaum Grenzen gesetzt. Wer will, kann schon in die High-End-Grafikkarte einen vierstelligen Betrag investieren. Für alle Komponenten kommt so schnell der Wert eines Kleinwagens zusammen. Dafür besitzt man nun ein cooles Unikat, nicht zuletzt dank ausgeklügelter Wasserkühlung.

Ob reines Arbeitsgerät oder Gaming-Lieblingsstück, günstig oder teuer: Vor manchem PC-Irrtum scheint kein User gefeit. Gerade wenn’s mal hakt, wird nach dem Prinzip Hoffnung verfahren. Alte „Hausmittel“ wie die Defragmentierung sollen die Sache nun richten. Tun sie das aber auch? Was ist bei Aussetzern und Performance-Problemen wirklich hilfreich, was schadet eher?

Hier gibt es eine kleine Übersicht:

Defragmentierung: Für ordnungsliebende PC-User war das Defragmentieren früher mehr als nur der Versuch, den Rechner wieder flott zu machen. Der Vorgang ging mit dem angenehmen Gefühl einher, dass datenseitig endlich wieder zusammenkommt, was zusammengehört.

Spätestens mit Windows 7 hat uns Microsoft dieses Vergnügens beraubt: Das Programm erledigt die Optimierung der Datenpakete nun unauffällig im Hintergrund, als User bestimmt man höchstens noch Zeitpunkt und Intervalle. Hier selbst Hand anzulegen, gar mit Fremdsoftware, schadet eher als es nützt.

Schoner für den Bildschirm: „Screensaver“, also Bildschirmschoner, sollen verhindern, dass sich statische Motive dauerhaft in den Bildschirm einbrennen können. Das ist auch sinnvoll, zumindest solange ein Röhrenmonitor den Schreibtisch besetzt. Das ist jedoch in der Praxis immer seltener der Fall – so selten, dass es schon lange nicht mal mehr Statistiken zur Röhren-Nutzung gibt.

Bei Flachbildschirmen tritt der gefürchtete Einbrenn-Effekt jedoch kaum noch auf. Zwar kann es bei extremen Kontrast-Unterschieden noch immer zu Schattenbildern kommen, im Regelfall sind diese aber rein temporär. Das vermeintliche Problem existiert somit nicht mehr, warum aber boomen dann die Bildschirmschoner?

Tatsächlich bieten die Programme neben ihren ästhetischen Vorzügen (über Geschmack soll man bekanntlich nicht streiten) noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: Sie verhindern bei Abwesenheit, dass Dritte unerwünscht Einblick in unser Tun erhalten – von „außen“ zumindest. Bildschirmschoner sichern somit den lokalen Datenschutz.

Ausschalten ohne Herunterfahren: Verweigert der Computer jede Reaktion, bleibt oft nur, den Stecker zu ziehen oder mit Langmut den Aus-Knopf zu drücken. Den eingefrorenen Rechner bringt das nun endgültig zum Stillstand, aber unser Gewissen in Wallung: Führt dieser Schritt nicht unweigerlich zum Festplatten-Crash?

Tatsächlich sind derlei Sorgen unbegründet. Die Hardware wird hier keinen Schaden nehmen. Nicht auszuschließen ist allerdings, dass nicht gespeicherte Daten unwiederbringlich verloren gehen. Das harte Aus sollte daher ein Notfall-Szenario bleiben.

Ähnliches gilt übrigens auch für das beherzte Herausziehen des USB-Sticks ohne Abmeldung: Dem Speicher selbst wird das letztlich nichts anhaben, im Hintergrund übertragene Daten könnten sich aber in schwer erreichbare Regionen verabschieden.

Stand-by-Risiken: Das Thema „Ausschalten“ führt direkt zu einem weiteren Mythos: Ist das saubere Herunterfahren dem Stand-by- beziehungsweise Ruhemodus tatsächlich vorzuziehen?

Die Antwort heißt Nein, denn die Stand-by-Vorteile können in vielen Situationen deutlich überwiegen: Wer den schnellen Zugriff braucht, muss in heutigen Zeiten keine Nerven mehr an den Hochfahrprozess verschwenden. Der Preis für den hintergründigen Dauerbetrieb ist ein geringes Plus beim Stromverbrauch – beim Mac etwas mehr als beim Windows-Rechner. Ab und an steht das Herunterfahren allerdings ohnehin an, damit die Hintergrund-Aktualisierungen aktiv werden können.

Anmerkung: Einen anderen Blickwinkel gibt es eventuell bei SSDs (Flashspeichern). Diese sind im Vergleich zur magnetischen Speicherung auf HDD zwar rasend schnell, nutzen sich auf Dauer aber ab. Die schreibintensive Nutzung des Schnellstart-Modus kann hier also die Lebensdauer verkürzen. Wirklich relevant dürfte das aber nur selten sein.  

Google-Jünger: Der Mythos, der letztlich am meisten Zeit raubt, ist jedoch der Glaube an die Allmacht des Netzes. Googelt und ihr werdet fündig – lautet oft das Motto, wobei so mancher „Experten-Tipp“ in tiefe Sackgassen führt. Wundert sich der spät gerufene Mila Friend später über die verfahrene Situation, erklärt nicht selten ein Foren-Link den Weg ins Abseits.   

„Jeder soll nach seiner Façon selig werden”, schrieb Preußenkönig Friedrich II. im Jahre 1740. Recht hat der Mann. Unser Fazit: Manchmal macht ein kurzer Anruf glücklicher als ein langer Selbstversuch.

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