ie erfolgreichsten Unternehmerinnen der Technologie-Branche.

Warum Technik nicht nur Männersache ist

Marissa Mayer, Ex-Chefin von Yahoo und zuvor in leitender Position bei Google, Wang Hsueh-Hang, Mitbegründerin des Technikriesen HTC, oder auch die Co-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg von Facebook – natürlich gibt es Frauen, die es in der Tech-Branche zu Macht und Reichtum gebracht haben. Das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass dies die Ausnahme ist: Unter den 100 reichsten Tech-Unternehmerinnen und -Unternehmern befinden sich laut Forbes 2015 gerade mal sechs Frauen.

Irrelevant für die Mehrheit, sagen Sie? Nun, das wäre es vielleicht, doch der Blick auf die Gesamtbranche sieht nicht eben besser aus. So rechnet die Unternehmensberatung Accenture damit, dass der Frauenanteil in der Tech-Industrie der USA im Jahr 2025 bei rund 20 Prozent landen wird. Dem Digitalverband BITKOM zufolge hat da im Vergleich selbst Deutschland noch die Nase vorn. Hier ist demnach fast jeder vierte Tech-Job weiblich besetzt. (Es gibt auch weniger optimistische Schätzungen.) Stolz ist in jedem Fall fehl am Platz, zumal es in den Führungsetagen der Tech-Konzerne mit einem Verhältnis von 1:7 noch weit schlechter aussieht.  

Schritt für Schritt zu mehr weiblicher Präsenz

Die gute Nachricht: Zukunft ist veränderlich. Prognosen werden schließlich auch erstellt, um die Stellschrauben doch noch rechtzeitig in die richtige Position zu bringen. Und wenn im Fazit der Accenture-Studie erkannt wird, dass der niedrige Frauenanteil „Amerikas Platz in der globalen Wirtschaft“ bedroht und eine „nationale Krise“ droht, so ist schon diese Erkenntnis ein Schritt in die richtige Richtung – vorausgesetzt, es schließen sich geeignete Maßnahmen an.

Tatsächlich geschieht im Moment in Europa und in den USA eine ganze Menge, um beim Gendergap zumindest wieder in Blickweite zu kommen. Großveranstaltungen wie der Mobile World Congress werden von hochkarätig besetzten Programmen zum Thema begleitet („Woman4Tech“ findet das nächste Mal Ende Februar 2019 in Barcelona statt), es gibt eigene Eventreihen wie „European Women in Technology“ (das nächste Mal Ende November 2018 in Amsterdam), gesponsert von Unternehmen wie Google, hp oder XING. Das ist mehr als ein Feigenblatt.

Nicht zuletzt sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Initiativen entstanden, mit denen Frauen in der Tech-Szene gefördert und vernetzt werden sollen. Viele dieser Aktionen gehen von Frauen aus, die selbst Unternehmerinnen sind und die Widerstände in der männlich dominierten Tech-Szene kennen. Hier drei Beispiele, die in der Summe eine neue Ära einläuten könnten:

„She loves Tech“: Die internationale Initiative mit dem klangvollen Namen befasst sich mit „Technik von Frauen für Frauen“. „She loves Tech“ gilt zugleich als weltgrößter Startup-Wettbewerb mit Focus auf Frauen und Technologie, der jährlich veranstaltet wird. Die Initiative organisiert auch weiblich geprägte Konferenzen und „Boot Camps“, die den Besuch führender Technologieunternehmen einschließen.   

„Woman in Digital“ (WIDI): „We are a network for #digital.woman” heißt es auf der Webseite des Vereins, der 2016 von FDP-Nachwuchshoffnung Tijen Onaran gegründet wurde und viel mediale Resonanz erntete. Ziel ist es, den Austausch zwischen Frauen in der Berufswelt zu fördern und starke Netzwerke zu bilden, unter anderem über Networking-Treffen und offene Diskussionsrunden.

Mit „We’re Woman in Tech“ wählt „Geekettes“ einen ganz ähnlichen Ansatz, wobei der Community-Gedanke im Vordergrund steht. Bei Geekettes ist man überzeugt, dass die Präsenz von Frauen bei der Tech-Entwicklung, im Tech-Design und in der Unternehmensführung zwingend ist, um erfolgreiche Produkte für die Zukunft zu entwickeln. Standorte gibt es unter anderem in New York und London, aber auch in Berlin, Hamburg und München. Gründerinnen sind die US-Amerikanerin Jess Erickson und die Berlinerin Denise Philipp.

Auf dem richtigen Weg

Können derlei Initiativen und Veranstaltungen für den dringend notwendigen Wandel sorgen? Die Chancen stehen wahrscheinlich besser als es die Analysten bisher voraussagen. Gerade mit der „#MeToo-Debatte“, die dank Schauspielerin Alyssa Milano ab Herbst 2017 weltweit Verbreitung fand, könnte ein nachhaltiger Schub entstehen, der weit über Fragen des Missbrauchs hinausgeht. Gleichstellung im Sinne aller – nicht nur der Frauen – ist das Thema.  

Ein Blick in den „Woman in Tech Report“ der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) beweist zudem: Die herausgearbeiteten Erfolgsfaktoren zur Erhöhung des Frauenanteils im Tech-Bereich sind weitgehend deckungsgleich mit dem, was engagierte Frauen gerade auf den Weg bringen. So wird bei PwC unter anderem gefordert, dass erfolgreiche Managerinnen mehr öffentliche Präsenz zeigen, um weibliche Talente früh für Tech-Berufe zu begeistern. Auch die Bildung von Netzwerken sehen die PwC-Analysten als entscheidenden Faktor.

Auf dem richtigen Weg, der noch lang ist

Damit Technik keine Männer-Domäne bleibt, braucht es einen Wandel in der Unternehmenskultur. Gerade Vielfalt ist Innovation, möchte man da ins Silicon Valley rufen, wo der Gendergap besonders tief erscheint.

Frauen kennen die Produkt-Bedürfnisse von Frauen schließlich nicht nur am besten, sie bringen mittlerweile auch jede Menge Kaufkraft mit. Dumm, wer da noch länger den Macho heraushängen lässt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.