Fernseher HDR

HDR Smart TV: Echte Innovation oder reines Marketing?

Fernseher und Monitore sind in den vergangenen Jahren immer „besser“ geworden. Besser heißt, die Bilddarstellung nähert sich unserer Realität – also jenem Bild, das das menschliche Auge von seiner Umwelt wahrzunehmen vermag. Diese Realität ist durchaus begrenzt. Man denke nur an die düsteren Lichtverhältnisse, in denen Katzen noch auf Beutefang gehen können. Während Implantate von Katzenpupillen für den Menschen noch in die Rubrik Science Fiction gehören, ist die realistische Wiedergabe der Umwelt auf Bildschirmen inzwischen weit vorangeschritten. HDR, also High Dynamic Range, heißt hier das Zauberwort unserer Tage, das Filmfans und Gamern immer plastischere Darstellungen verspricht.

HDR? Kommt, aber braucht Zeit

Das erste HDR-Display dieser Art feierte standesgemäß auf der CES in Las Vegas seine Premiere und das immerhin schon 2015. Drei Jahre ist es somit her, für die innovative Technikbranche eine lange Zeit. Um die Dinge einfach zu gestalten, also einheitliche Standards zu definieren und neben HDR-fähigen Geräten auch flächendeckend Filme und Spiele in HDR-Qualität auf den Markt zu werfen, war der Zeitraum jedoch zu kurz. HDR ist die Zukunft, die Gegenwart ist es nicht.

In der Praxis müssen wir uns heute als Verbraucher grummelnd mit der Unterscheidung von HDR, HDR+ und Dolby Vision befassen. HDR ist nicht gleich HDR, heißt es in Fachkreisen, und das ist weder aus Blickwinkel der Käufer noch der Verkäufer eine sonderlich gute Nachricht. Der Satz bedeutet: Die Bildqualität, die der Nutzer erhält, kann trotz HDR-Zertifikat von Gerät zu Gerät ganz erheblich differieren. Jeder Kauf eines HDR-TVs oder auch nur eines Films in HDR-Qualität setzt somit voraus, dass sich der Konsument im Vorfeld mit technischen Fragen auseinandersetzt. Aber wer will das schon, zumal die Antwort auf viele dieser Fragen unerfreulich ausfällt. Sie lautet: Wer der Realität am Bildschirm wirklich näher kommen will, muss 2018 noch immer tief in die Tasche greifen. Was nämlich nutzen zum Beispiel die stark erweiterten Möglichkeiten der Farbabstufung, wenn der günstige Edge-Lit-Bildschirm dann doch nur mit magerem LED-Licht von den Rändern versorgt wird.

HDR – plastisch und realitätsnah wie nie zuvor

Gehen wir eine Stufe zurück: HDR bedeutet generell, dass Helles heller erscheinen kann, Schwarz tiefer wirkt und der Kontrast ganz neue Dimensionen erreicht oder zumindest erreichen könnte. Statt der gewohnten 256 Abstufungen pro Farbkanal bei SDR (Standard Dynamic Range) stehen bei HDR nun schließlich 1024 oder bei Dolby Vision sogar 4096 Farbabstufungen zur Verfügung. Das bedeutet in Spiel oder Film, dass der Held bei grellen Blitzen durch eine tiefschwarze Nacht reiten kann, wobei die Sichtbarkeit vieler Details im Umfeld beeindruckt.

Schlechte Nachricht für Fußballfans

Was vielversprechend klingt, braucht zumindest noch Geduld. Der Massenmarkt muss sich bei Technik und Medien noch eine Weile mit der Vorfreude begnügen, wobei sich beide Bereiche in Zukunft durchaus befruchten könnten: Stehen im Laden nämlich ausreichend TV-Geräte – Vorreiter ist hier einmal mehr Samsung (alle UHD-TVs ab 2017 unterstützen HDR10+) – Konsolen (Microsoft, Sony) und Player, die HDR tatsächlich darstellen und nicht nur lesen können, wird es auch bei Filmen und Spielen in HDR-Qualität schneller vorangehen. Noch ist der geneigte Zuschauer hier auf Branchenvorreiter wie Netflix oder das HDR+-Streaming von Amazon angewiesen, während er im Auslaufmodell „Fernsehen“ in die Röhre schaut. Die Fußball-WM als HDR-Zugpferd? Fehlanzeige! Zwar wird in HDR produziert, ARD, ZDF und Sky werden aber nicht in HDR übertragen. Da nutzt dem Zuschauer daheim auch der teuerste Fernseher nichts.

Die Mila Service Partner werden derzeit häufig mit Fragen konfrontiert, ob sich die Investition in HDR lohnt oder ob hier eher die Marketing-Strategen den größten Gewinn machen. Die Antwort darauf ist im ständigen Wandel begriffen, fällt aber durchaus positiv aus. Übereilen solle man als Konsument wohl nichts, über kurz oder lang – so unsere Überzeugung – führt an HDR aber kein Weg vorbei. High Definition Range ist weder Fake noch der verzweifelte Versuch zum Absatz weiterer Hardware. Es ist eine Innovation, die sich entwickeln wird – gerade weil sie nur Sinn macht, wenn alle involvierten Technik-Komponenten, die Übertragungswege und die HDR-Medien umgestellt sind.

HDR10, HDR10+ oder Dolby Vision?

Die mit Abstand häufigste Frage ist die nach den (konkurrierenden) HDR-Normen – hier die Antwort als kurzer „Serviceblock“ in gestraffter Form:

HDR10: HDR10 verfügt über 1024 Helligkeitsstufen (10 Bit). Die Bildinformationen werden einmalig übertragen. Damit ist der hellste und der dunkelste Punkt des Mediums (eines Films) definiert, die einzelnen Filmsequenzen werden aber nicht dynamisch angepasst. Im Vergleich zu SDR (256 Helligkeitsstufen, 8 Bit) verspricht diese Technik dennoch ein weit brillanteres Bild und das für wenig Geld.

Dolby Vision: Bei dieser Version erfolgt eine dynamische Anpassung der übertragenen Bildinformationen. Bis zu 4096 Helligkeitsstufen werden dargestellt. Dolby Vision gilt als Premium-Angebot und wird unter anderem von Sony und LG unterstützt. Die Bildqualität ist überragend, es mangelt jedoch an Inhalten und die Geräte sind eher hochpreisig.

HDR10+: Samsung vereint in diesem Format die dynamische Technik von Dolby Vision mit den 1024 Helligkeitsstufen von HRD. Anbieter wie Netflix oder Amazon setzen derzeit auf diesen „Standard“, womit es weit mehr verfügbare Inhalte gibt als bei Dolby Vision. Schon aus diesem Grund könnte sich HDR10+ im TV-Massenmarkt durchsetzen.

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