Sharing Economy

Geschäfte auf Augenhöhe: Peer-to-Peer Economy wächst

Peer-to-Peer (P2P) passt glänzend in unsere Zeit, geht es hier doch im Wortsinn um Gleichberechtigung. Gehandelt wird von privat zu privat, mit Fahr- und Übernachtungsmöglichkeiten, mit Musik, Kleidung, Krediten und vielerlei anderen Waren und Dienstleistungen mehr. Die Nachfrage bestimmt das Angebot und diese Nachfrage ist hoch. Nicht zuletzt die vermittelte Technikhilfe bei Mila ist dafür ein beredtes Beispiel, Woche für Woche tausendfach gesucht, gefunden und gebucht.  

Geht es um Peer-to-Peer, geht es um „Sharing Economy“. Oft werden die Begriffe sogar synonym verwendet, denn immer wird miteinander geteilt und damit ein Wert besser genutzt als zuvor: Das Auto steht seltener still, die Wohnung in den Urlaubstagen nicht unnötig leer und auch das Lieblingsshirt findet eine neue Trägerin, die sich stolz darin präsentiert.

Unterwegs im Auto des Nachbarn

Wer differenziert, stellt allerdings schnell fest: Peer-to-Peer ist „nur“ ein Teilbereich der Sharing Economy. Am großen Thema der Mobilität wird das gut deutlich: Carsharing-Unternehmen wie „Car2Go“ oder „DriveNow“ sorgen dafür, dass die Fahrzeuge in den Großstädten von vielen Menschen genutzt werden können – eine klassische Dienstleistung der Sharing Economy. Die Vermietung von privat zu privat, und damit der Peer-to-Peer-Gedanke, wird jedoch erst bei Anbietern wie „Uber“ oder „Drivy“ Realität. Nun fährt der Nutzer tatsächlich im Auto des „Nachbarn“, wahlweise mit Fahrer oder selbst hinterm Steuer.

Die neuen Helden im digitalen Wirtschaftskrimi der Peer-to-Peer Economy sind also nicht länger BMW oder Mercedes, sondern Vermittlungsplattformen, die selbst zu Global Playern avancieren können. „Uber“, der Platzhirsch unter den Vermittlern von Mietwagen mit Fahrer, wird mittlerweile auf einen Marktwert von rund 70 Milliarden US-Dollar taxiert. Das ist auch im erfolgsverwöhnten Silicon Valley eine Hausnummer.  Man bedenke: Vor zehn Jahren war „Uber“ noch gar nicht existent.

Mehr fürs Geld

Natürlich ist der rasante Aufschwung der Peer-to-Peer-Anbieter alles andere als ein Zufall. Worauf sich der Erfolg (neben dem technischen Fortschritt) gründet, wird in der breit angelegten US-Studie „The sharing economy“ des Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers (PwC) deutlich, die 2015 erschienen ist. 86 Prozent der Befragten geben darin an, dass Sharing-Economy-Angebote dazu beitragen, sich ein besseres Leben leisten zu können.  83 Prozent schätzen die hohe Effizienz und Bequemlichkeit, die mit Peer-to-Peer-Buchungen verbunden sind. Gerade diese Zahl belegt: Die meisten Nutzer haben positive Erfahrungen gemacht. Wenige Klicks, schon war die gewünschte Leistung gebucht.

Sympathie als wirtschaftlicher Erfolgsfaktor

Vielleicht noch höher als die mögliche Ersparnis sind die Sympathiewerte zu bewerten, die Peer-to-Peer für sich verbuchen kann. Bei PwC geben stolze 76 Prozent der Befragten an, dass sie die Nutzung von Diensten wie eine private Autovermittlung für einen Gewinn in Sachen Umweltschutz halten. Mehr als sechs von zehn Usern erklären zudem, dass sie mit den Buchungen von privat zu privat einen höheren Spaßfaktor verbinden als mit Bestellungen aus dem Bereich der klassischen Industrie.

Peer-to-Peer steht also für ein Umdenken: Diese moderne Form des Teilens gilt als nachhaltig und umweltschonend. Zugleich profitiert, zumindest im Gefühl der Käufer, mit dem privaten Dienstleister ein „Gleichgestellter“ und nicht der ohnehin milliardenschwere Konzern. Im Zusammenspiel mit einer günstigen aber hochwertigen Leistung sind das starke Argumente.

Weiteres Wachstum erwartet

Der Blick in die Peer-to-Peer-Zukunft ist hoffnungsvoll. PwC-Bereichsleiter Nikolas Beutin erklärt, die Sharing Economy habe „das disruptive Potenzial, in vielen Bereichen Eigentum durch zeitweise Nutzung von Produkten und Services zu ersetzen.“ Für Deutschland sagt die PwC-Studie „Share Economy, The New Business Model“  aus dem Jahr 2017 eine Steigerung des Marktvolumens um mehr als fünf Prozent auf gut 24 Milliarden Euro für 2018 voraus. Das entspricht Ausgaben von 928 Euro pro User und Jahr. In der Schweiz soll die Steigerung binnen Jahresfrist sogar bei rund 20 Prozent liegen, was dann Ausgaben von mehr als 1.100 Euro pro User entspricht. Kosten für Übernachtungen und Mobilität bilden dabei die größten Positionen.  

Einer der Erfolgsfaktoren neben immer besseren Leistungen ist das wachsende Kundenvertrauen. So dürfte das Gros der Neukunden bei „Airbnb“ und anderen Anbietern  inzwischen im Freundes- und Bekanntenkreis Menschen kennen, die den jeweiligen Dienst schon erfolgreich genutzt haben. Damit entfällt die bedeutendste Hürde, die einer Buchung entgegenstehen könnte: die Angst, fürs liebe Geld keinen adäquaten Gegenwert zu erhalten.

Dienste wie „Uber“ oder „Mila“ profitieren zudem von der Zeit, denn die Zahl der angemeldeten Verkäufer (also Uber-Fahrer oder Mila Friends & Profis) wächst beständig. So werden die Anfahrtswege automatisch kürzer, die Wartezeiten niedriger und die Kundenzufriedenheit höher.

Reden wir miteinander

Interessant in der PwC-Studie für Europa 2017 ist übrigens auch, dass jeder vierte User den direkten Kontakt als wichtigen Vorteil beschreibt. Nahezu jeder fünfte Nutzer will Teil der wachsenden Community sein, die sich um den jeweiligen Dienst gruppiert. Für die Anbieter bedeutet das im Umkehrschluss: In den Warteschleifen des ausgelagerten Call-Centers verliert man Kunden. Mit den richtigen Kommunikationsangeboten, auch Peer-to-Peer, lässt sich dagegen Boden gutmachen.    

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