Abschaffung des SD Empfangs

Das Ende des kostenlosen SD-Empfangs

Das Free-TV in seiner jetzigen Form steht vor dem Aus. Mit der Digitalisierung und der verbesserten Bildqualität schwinden die Chancen, vor dem TV kostenlos davonkommen.

Von der schleichenden Teuerung beim Satelliten-Fernsehen ist potentiell fast die Hälfte aller deutschen Haushalte betroffen, denn rund 46 Prozent der Nutzer setzen bis heute auf die Sat-Antenne. Laut InfoDigital ist bisher auch nur rund jeder fünfte Zuschauer bereit, für die Übertragung der privaten Sender in HD-Qualität zu bezahlen. Der SD-Empfang ist derzeit zwar noch kostenfrei, aber das wird sich in den kommenden Monaten ändern.

ARD und ZDF bald nur noch in HD

Die eher zurückhaltend kommunizierten Änderungen für das deutsche TV-Publikum kommen durch die technische Hintertür. So hat die KEF, die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten, zum Jahresbeginn entschieden, dass die öffentlich-rechtlichen Sender ab Mitte 2020 kein Geld mehr für die Ausstrahlung im SD-Format erhalten sollen. Die Übertragung in diesem Standardformat (720 x 576 Pixel) erfolgt zurzeit parallel zur HD-Übertragung (Full HD 1920 x 1080 Pixel). Beide Übertragungen, SD und HD, sind in den Rundfunkgebühren enthalten.   

Hintergrund der SD-Verfügung, nachzulesen im 21. KEF-Bericht, ist der hohe Kostendruck. Mit dem Wegfall der parallelen Übertragung in SD können demnach mehrere Millionen Euro bei den Öffentlich-Rechtlichen eingespart werden. Alle Zuschauer, die bisher einen SD-Receiver nutzen oder keinen HD-fähigen Fernseher besitzen, haben dann allerdings kein Signal mehr. Sie müssen zumindest in den Anschluss neuer Hardware investieren.

Bei Fragen zum Thema Hardware-Umstellung steht dir der Mila-Service jederzeit zur Verfügung.  

Zeitpunkt für SD-Aus bei den Privaten weiterhin offen

Etwas anders stellt sich die Lage bei den privaten Sendergruppen RTL und ProSiebenSat1 dar. Hier gilt eine Verfügung des Bundeskartellamtes, gültig für Kabel, Satellit und IPTV (nicht für DVB-T2), die die Sender zu einer unverschlüsselten und damit kostenfreien SD-Verbreitung über Astra bis zum Jahr 2022 verpflichtet. Wann die SD-Abschaltung danach tatsächlich erfolgt oder ob es auf Betreiben der KEF eine andere Regelung gibt, ist weiterhin offen.

Die Entscheidung der Sender-Verantwortlichen von RTL und ProSiebenSat1 dürfte vor allem davon abhängen, wie viele SD-Kunden weiterhin aktiv bleiben. Auf Reichweite will man wohl weder in Köln noch in Unterföhring verzichten, selbst wenn die Umstellung auf HD neue Umsätze verspricht.

Ist-Stand zum scharfen Empfang

Der kostenlose Empfang von privaten HD-Programmen über Astra ist schon heute ausgeschlossen, da das Abspielen den Bezug von HD+ voraussetzt. Die Gebühr dieses Astra-Dienstes beträgt rund 75 Euro im Jahr. Um Umkehrschluss heißt das auch: Mit dem Wegfall von SD wären auch per Satellit keine privaten Programme mehr kostenfrei zu empfangen.

ARD und ZDF blieben, die richtige Hardware vorausgesetzt, dagegen weiterhin ohne Zusatzkosten in HD abrufbar. Die Grundkosten, also der Rundfunkbeitrag, liegt derzeit bei 52,50 Euro pro Quartal und Haushalt. Er ist – mit einigen Ausnahmen zum Beispiel für Hartz IV-Empfänger und Sehbehinderte – verpflichtend.

Wird Zahlung für TV alternativlos?

Die Zahlungsbereitschaft für Zusatzdienste oder eine bessere Bildqualität ist in den vergangenen Jahren trotz der Dauer-Diskussion um die Rundfunkbeiträge erheblich gewachsen. So verdient der PayTV-Sender „Sky“ inzwischen in Europa gutes Geld, der Betriebsgewinn lag 2017 bei mehr als einer Milliarde Euro. Auch die Kabelnetzbetreiber sind beim Vertrieb von Zusatzpaketen erfolgreich, die Zahlung für die Freischaltung weiterer HD-Programme eingeschlossen.

Wer in Zukunft TV-Programme weiterhin kostenfrei konsumieren möchte, steckt jedoch zunehmend in Schwierigkeiten. Kostenfreie private Programme per Satellit in HD sind ein Auslaufmodelle, für die Öffentlich-Rechtlichen und für den Kabelempfang wird man ohnehin zur Kasse gebeten. Sender-Apps? Mediatheken? Streaming-Plattformen? Alternativen gibt es reichlich, aber überall gilt: Wer mehr will, muss auch mehr auf den Tisch legen.  

1 Gedanke zu „Das Ende des kostenlosen SD-Empfangs“

  1. Soll mir Recht sein. Ich habe zu Hause keine Coaxkabel liegen. Auch keine Satschüssel. Aus meinem Kabelanschluss kommt nur Internet und darüber dann Netflix und Prime-Video. Dann kann ich mir wenigstens aussuchen was ich wann schauen will und brauch mich nicht von Werbepausen nerven lassen.

    Video on demand ist vermutlich dass, was sich durchsetzen wird und wenn die Sender meinen „Verluste“ durch abwandernde Kunden durch einen höheren Preis abfangen zu wollen, brauchen sie sich nicht wundern wenn noch weit mehr aufs lineare Fernsehen verzichten und zu VOD Diensten abwandern. Aber was weiß ich schon…

    Gruß
    Fabian

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