Universität Kassel veröffentlicht Studie zum Crowdworking Markt in Deutschland

Soviel vorweg: Es ist bislang nur wenig über den Crowdworking Markt in Deutschland bekannt. Das Statistische Bundesamt beispielsweise führt keine Zahlen – jedenfalls noch nicht. Das Thema ist jedoch von ziemlicher Brisanz, denn im Zuge der Digitalisierung verändert sich der Arbeitsmarkt, und klassische Beschäftigungsformen treten zusehends in Wettbewerb mit neuen Arbeitsmodellen wie Crowdworking – was unter anderem Auswirkungen auf die derzeitigen Sozialsysteme haben wird. Wie wird der Markt wandeln, wenn sich der Trend zur Sharing– und Gig Economy in dem bisherigen Tempo fortsetzt?

Das Fachgebiet Wirtschaftsinformatik der Universität Kassel beschäftigt sich seit einiger Zeit mit dem Thema. Im Rahmen des Forschungsprojekts “Herausforderung Cloud und Crowd- Neue Organisationskonzepte für Dienstleistungen nachhaltig gestalten” nahm die Universität Kassel den Crowdworking-Markt nun genauer unter die Lupe. Das Forschungsprojekt wurde vom Bundesministerium für Forschung und Bildung (BMFM) gefördert.

Crowdworking-Plattformen existieren in Deutschland, 21 haben bei der Studie mitgemacht

Die Universität Kassel hat sich bei ihrer Studie auf Crowdworking-Plattformen fokussiert, die ihren Hauptsitz oder zumindest einen Standort in Deutschland haben. Insgesamt wurden 32 Plattformen identifiziert, mit 21 Unternehmen haben sich gut zwei Drittel aller Akteure an der Studie beteiligt, so auch Mila. Die Daten wurden mittels eines Fragebogens sowie ein- bis anderthalbstündigen Tiefeninterviews erhoben.

Aktuell gibt es geschätzt 1.162.059 Crowdworker in Deutschland

Die Zahl basiert auf einem Mittelwert, der auf Grundlage von Schätzungen der befragten Crowdworking-Plattformen errechnet wurde. Im Schnitt sind 93.909 Crowdworker auf den befragten Plattformen registriert. 1 Million Crowdworker – die Zahl macht Eindruck, bedenkt man dass zum Vergleich das Volumen des US-Amerikanischen Marktes auf rund 3 Millionen geschätzt wird.

Ebenfalls untersucht wurde der Prozentsatz der aktiven Mitglieder auf den befragten Crowdworking-Plattformen. Dieser liegt bei durchschnittlich 25,24%. Rechnet man also beide Zahlen zusammen, kommt man auf einen Wert von knapp unter 300.000 aktiven Crowdworkern.

Ist das viel? Ist das wenig? Wie man’s sieht. Gemessen an der Gesamtzahl der Beschäftigten in Deutschland mag es als wenig erscheinen: 44 Millionen Erwerbstätige gibt es hierzulande, demnach wären weniger als 1% davon Crowdworker. Andererseits: Es wurden innerhalb weniger Jahre 300.000 Arbeitsplätze in einer völlig neuen Beschäftigungsform kreiert. Das wiederum ist eine enorme Leistung.

Die Branche erzielt in Deutschland 45,03 Mio. EUR Provisionsumsatz und wächst mit 89,79%

Als Haupteinnahmequelle dienen Provisionen, die von den Crowdworkern erhoben werden. Durchschnittlich liegen diese bei 22,18%. Das gesamte Provisionsvolumen wird auf 45,03 Mio. EUR geschätzt und wächst exponentiell – im Zeitraum 2015 bis 2016 um 89,79%. Das erklärt auch das Starke Interesse seitens von Investoren, die bevorzugt in junge Nischenmärkte mit überdurchschnittlichem Wachstum investieren. Tatsächlich sind 13 der 21 befragten Plattformen Venture Capital finanziert.

Der Crowdworking Markt wächst und wächst und wächst …

Der Universität Kassel ist mit ihrer Studie eine solide Bestandsaufnahme des Crowdworking-Marktes gelungen. Zugegeben eine schwierige Aufgabe, denn bei einem Großteil der erhobenen Daten handelt es sich um Schätzungen. Noch sind die Crowdworking-Plattformen nicht berichtspflichtig, deren Zahlen werden nicht zentral erfasst.

Der Crowdworking Markt ist, gemessen am gesamten Beschäftigungsmarkt, noch recht klein. Doch er wächst in einem rasantem Tempo. Nach unserer Einschätzung wird Crowdworking rasch zu einer ernstzunehmenden Größe, und der Markt wird sich qualitativ weiterentwickeln sowie ausdifferenzieren. So fokussiert sich Mila auf Crowd Service: technikaffine Kunden schließen sich zu einer Community zusammen und helfen sich gegenseitig bei der Installation, Inbetriebnahme oder Entwicklung neuer Produkte. Unter anderem vertraut Swisscom auf diesen Service, der größte Telekommunikationsanbieter der Schweiz.

Nicht zuletzt wird die technologische Entwicklung den Trend zu Crowdworking verstärken. Die Zahl der Endgeräte wächst, und sie sind zusehends vernetzt. Laut IDC können bis 2020 sogar bis zu 20 Milliarden vernetzte Geräte im Einsatz sein. Für Crowd Service Anbieter ein ideales Szenario: Schon in einem Jahr, so Gartner,  könnten rund 75% der innovativsten und performantesten Unternehmen Crowdworking nutzen. Die lebenslange Bindung an einen Arbeitgeber wird dabei allmählich Geschichte. Ein Millennial könnte im Lauf seines Berufslebens rund 12 bis 15 unterschiedliche Jobs ausüben.

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